Dachverband der Wiener Privatkindergärten und -horte

Tiefstes Biedermeier (2005)

Private Kinderbetreuung in Wien frei nach Johann Strauss

F. Tatzber

 

(Die schräg gestellten Teile des Artikels sind Titel diverser Musikstücke von Johann Strauss Vater.)

 

Vor einem Jahr wurde der zweihundertste Geburtstag von Johann Strauss Vater begangen. Begründer der gleichnamigen Musiker-Dynastie, genialer Komponist und von geradezu seherischer Begabung in Bezug auf Privatkindergärten, wenn man ihn nach den Titeln seiner Werke beurteilt. Es folgt der Beweis, dass sich das Biedermeier in den für Kinderbetreuung zuständigen Ämtern bis zum heutigen Tag gehalten hat. Zumindest aber scheint der überaus populäre Musiker gewusst zu haben, für wen er seine Werke geschaffen hat: für seine Zeitgenossen, also Menschen des Biedermeier.

 

Aetherträume

 

Wenn Amors Pfeile treffen, ist Kindersegen eine der möglichen Folgen. In ihrem Jugendfeuer wünschen sich Eltern natürlich, dass alle Kinder in dieser Stadt möglichst gleich behandelt werden mögen.  Aber es ist nur ein Wien und vor allem – glücklicherweise - nur ein Magistrat. Und die Wiener Launen bringen es mit sich, dass Kinder in Gemeindekindergärten und den Einrichtungen der politischen Vorfeldorganisationen mit höheren Subventionen bedacht werden als Nachwuchssteuerzahler in den Privatkindergärten im Sinne des Wortes. Diese gelten nach wie vor als die Unbedeutenden, die bestenfalls milde Gaben erhalten. Weil aber Magistratsbeamte es ländlich-sittlich gern haben, müssen Privatkindergärten im gruppenweisen Manövrier Marsch ihre Kalkulationen vorlegen, sozusagen den Pfennig Walzer oder gar den Cent-Rap anstimmen. Was unternimmt man nicht alles, wenn man nur (über)leben will.

 

Seufzer Galoppe

 

Nicht, dass die Privatkindergärten diese heiteren Lebensbilder ohne Murren zur Kenntnis nehmen. Schon gar nicht werden sie in Ansehung dieser Verhältnisse die Jubel Quadrille anstimmen oder gar den Huldigungs Walzer für die Wiener Stadtverwaltung tanzen. Und in der Tatsache, dass sich nur Kinderbetreuungseinrichtungen, die mehr als zehn Gruppen führen, um die Führung von ausgeschriebenen Kindergärten bewerben können, vermuten sie weniger Gottes Werk als viel eher des Teufels Anteil oder zumindest einen unfreundlichen Gruss von Fra Diavolo.  Nach Auskunft der zuständigen Magistratsabteilungen ist das aber reiner Zufall, der unzusammenhängende Zusammenhang eben. Vielmehr sollte der ohnehin gespielte Benefice Walzer der milden Gaben für die Privatkindergärten vollkommen genug sein. Nur die Fantasten unter ihnen können von der Gemeinde grössere Zugeständnisse oder gar Gerechtigkeit für alle Kinder dieser Stadt verlangen. Es sind halt rechte Wiener Früchteln, die Gemeindeindianer, von mir aus auch linke.

 

Tausendsapperment Walzer

 

Das Wiener Stadt- und Landleben ist somit für Privatkindergärten gar nicht leicht. Die traditionellen magistratischen Heimatklänge in den Wiener Landesfarben geben wirklich keinerlei Anlass zu einem Triumphmarsch der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen. Diese gelten nach wie vor als exotische Pflanzen in der Wiener Kinderbetreuungsszene und elektrische Funken fliegen beim Gedanken an die Unvereinbarkeiten und Ungerechtigkeiten, mit denen sie sich tagtäglich herumschlagen müssen. Aber neben Sommernachtsträumen von gerechteren Gesellschafts Galoppen haben sich die Wiener Privatkindergärten in Gedankenstrichen ihr eigenes Motto für eigenartige  Frohsinnnssalven wie die Novellierung der Wiener Kindertagesheimverordnung zurechtgelegt: Heiter auch in ernster Zeit.