Dachverband der Wiener Privatkindergärten und -horte

Rotbäckchen und die 8 Euro
Kinder- und Tierwert im Vergleich
F. Tatzber

Und es begab sich im Land der Schnitzel, Stelzen und aufrechten Tannenbäume, dass sich mit dem Tierschutz gröbere Brösel einstellten. Die dortigen Verantwortlichen hatten – vereinfacht geschrieben – mehr Geld ausgegeben als sie einnehmen konnten und standen bis zum Hals in der Kreide. Nun steht es uns gewiss nicht zu über andere gemeinnützige Organisationen den Fichtenstamm zu brechen, aber ein paar Schlaglichter sind einfach zu bezeichnend, weswegen wir sie erstrahlen lassen.

Die hochlöbliche Gemeinde Wien konterte den Vorwurf, sie unterstütze das Tierschutzhaus zu wenig, mit der – zwar unbewiesenen, aber ebenso unwidersprochenen – Feststellung, dass jeder im Tierschutzhaus einsitzende Hund mit täglichen 8 Euro unterstützt werde. Interessant. Mal dreißig, das ist die Anzahl der Tage eines kürzeren Monats, ergibt sich das runde Sümmchen von 240 Euro. Womit wir langsam zum Thema kommen: Und wie hoch ist die Unterstützung der hochlöblichen Gemeinde für jedes Kind im Privatkindergarten? Nehmen wir eine typische Kindergartengruppe von zwanzig Kindern als Maßstab. Die kriegt großzügig geschätzt etwa 1500 Euro Gruppenförderung im Monat. Dividiert durch zwanzig, das ist die Anzahl der Kinder, lässt sich die monatliche Unterstützung mit 75 Euro abschätzen. Mit anderen Worten: Jedes Hunderl im Tierschutzhaus ist der Gemeinde mehr als dreimal so viel wert wie ein Kind in einem Privatkindergarten. Jedes Katzerl, das dem Vernehmen nach die Hälfte erhält, immerhin noch fast doppelt so viel.

In Ansehung der tatsächlichen Verhältnisse in Wien ist dieser Unterschied nicht einmal unrealistisch. Er gibt wahrscheinlich sogar die tatsächliche Wertschätzung von Kindern und Hunden in der Bevölkerung wieder. Aber bei allem Respekt: Für die hohe Politik ist das doch wohl ein Armutszeugnis ersten Ranges. Dass Kinder in einem „sozialkapitalistischen“ System wertmäßig nach Hunden oder Katzen eingestuft sind, kann doch wohl der Weisheit letzter Schluss nicht sein. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass gemeindeeigene Kindergärten pro Kind und Monat mit 1000 Euro aus dem Gemeindetopf unterstützt werden. Das zeigt nur in Analogie zur Medizin die Zwei-Klassen-Kinderbetreuung, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Weil würden in Privatkindergärten ähnliche Kosten für die Kinder entstehen, müsste deren Elternbeitrag annähernd 900 Euro betragen. Beträgt er aber nicht, sondern etwa ein Drittel davon, womit wir wieder in der Größenordnung dessen wären, was die Betreuung eines Hunderls im Tierschutzhaus kostet.

Aber es kommt noch dicker: Das eben Geschriebene gilt nur für Privatkindergärten, die – vereinfacht geschrieben – in Vereinsform organisiert, somit im finanzrechtlichen Sinne gemeinnützig sind. Kinderlein und deren Eltern, die das Pech haben, einen Kindergartenplatz nur in einem Betrieb zu finden, der von einer Einzelperson geführt wird, schauen überhaupt durch die Finger, soll heißen, kriegen für ihren Kindergartenplatz gar keine Unterstützung von der Gemeinde Wien. Die Begründung lautet, dass Einzelpersonen laut Bundesabgabenordnung nicht gemeinnützig sein können. Dass sie in diesem Fall mit Kinderbetreuung eine gemeinnützige Tätigkeit verrichten, interessiert in diesem Zusammenhang im wahrsten Sinne des Wortes „keinen Hund“.

 

Rotbäckchen aber sitzt in der Wiener Stadtverwaltung und bildet sich etwas auf die acht Euro ein, mit denen jedes Hunderl im Tierschutzhaus täglich unterstützt wird. Dass jedes Kind in Wien zumindest mit dem gleichen Betrag gefördert wird, weisen die Gemeindeindianer aber empört von sich. So, als gäbe es gravierende soziale Unterschiede zwischen Kindern in Privat- und Gemeindekindergärten. Wahr ist aber vielmehr: Mehr als die Hälfte der Kindergärten in Wien sind private Einrichtungen. Ohne sie würde die Kinderbetreuung in dieser schönen Stadt zusammenbrechen. Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Der Autor dieses Artikels ist Zoologe und Besitzer eines von Geburt an blinden Hundes und zweier Katzen, die vor dem „Einschläfern“ gerettet wurden. Wir gönnen den armen Tieren im Tierschutzhaus jeden Cent, weisen aber auf die evidenten und durch nichts nachvollziehbaren Unterschiede im Wert zwischen vielen Kindern und Tieren hin.